Ihr Zahnarzt in Sülz | Wie effektiv sind Zahnpflegekaugummis wirklich?

Zahnpflegekaugummis
Veröffentlicht von Joe

Mit innovativen Zahnpflegekaugummis verspricht die Werbeindustrie seit Jahrzehnten weißere und gesündere Zähne.

Nach jeder Mahlzeit, oder auch dazwischen, sollen sie uns dabei helfen Karies, Verfärbungen, Plaque und anderen ungewollten Zahnproblemen vorzubeugen. Fast erscheint das Kaugummikauen als bequeme Alternative zum Zähneputzen, da weder Zahnbürste noch Zahnpasta benötigt werden. Das klingt fast zu schön um wahr zu sein weswegen wir uns hier mit diesem Mythos näher beschäftigen wollen. Wie gut sind die Zahnpflegekaugummis eigentlich und können sie den Versprechungen gerecht werden?

 

Was passiert beim Essen mit den Zähnen?

Wenn wir Nahrung zu uns nehmen beginnt der Verdauungsprozess bereits im Mundraum während sich die zerkaute Nahrung mit dem Speichel vermischt. Verschiedene Enzyme bereiten das Essen auf den Transport in den Magen vor damit dieser optimal arbeiten kann. Bei dieser Nährstoffaufspaltung werden zum Beispiel aus Kohlenhydraten einfache Zucker gebildet die Plaque-Bakterien als Nahrung dienen. Diese geben wiederum Milchsäure ab die den Zahnschmelz auflösen, für Mundgeruch sorgen und Karies begünstigen.

Um diesen Effekt zu unterbinden putzen wir uns regelmäßig die Zähne, um die Anzahl der Plaque-Bakterien so gering wie möglich zu halten.

 

Es gibt kaum Beweise für eine signifikante Zahnreinigung durch Zahnpflegekaugummis

Es klingt zunächst einleuchtend, dass Kaugummis eine Auswirkung auf die Zahngesundheit haben könnten. Wir kauen schließlich längere Zeit auf ihnen herum, drehen, wenden und zerquetschen sie im Mund und hoffen, dass die kontinuierlichen Bewegungen eine genauso gute Putzwirkung entfaltet wie die Zahnbürste.

Leider ist sich die Wissenschaft darin so gut wie einig, dass der mechanische Reinigungseffekt verschwindend gering ausfällt da nur die primären Kauflächen Kontakt mit dem Gummi haben. Die Plaque wird demnach nur minimal mit einem Kaugummi bekämpft. In die engen Zahnzwischenräume gelangt der Kaugummi gar nicht erst, also dort, wo sich die meisten Bakterien ungestört ausbreiten. Auch der frische Minzgeschmack ist kein Gift für die Mikroorganismen, sondern lässt sie größtenteils unbeeindruckt.

 

Zahnpflegekaugummis unterstützen, aber auf andere Weise

Die Zahnpflegekaugummis sind trotzdem nich völlig unnütz. Die Nebeneffekte können sich durchaus positiv auf die Zähne auswirken sofern das normale Zähneputzen nicht vernachlässigt wird. Das Kaugummikauen verstärkt nämlich den Speichelfluss, welcher z.B. kurz nach der Nahrungsaufnahme dafür sorgt, dass der pH-Wert im Mund nicht zu sauer wird. So können Säuren nicht ihr ganzes zerstörerisches Potenzial entfalten (z.B. bei Früchten). Zudem remineralisiert Speichel den Zahnschmelz was die Widerstandskraft erhöht. So halten die Zähne bei einer ausgewogenen und angemessen kohlenhydratreichen Ernährung im besten Falle bis ans Lebensende – trotz einer unvermeidbaren Zahnerosion. Limo, Cola, Säfte und Süßigkeiten sollten Sie daher in Maßen genießen und auf ungesüßte Alternativen zurückgreifen.

 

Fluorid-, Kalzium- und Xylit-Zusätze – Was liefern die Zusatzstoffe im Zahnpflegekaugummi?

Zahnpflegekaugummis gibt es mit verschiedensten Inhaltsstoffen. Drei davon besitzen laut medizinischer Forschung nennenswerte Eigenschaften, die sich unterstützend auf die Zahngesundheit auswirken können.

Fluorid ist ein typischer Bestandteil von Zahnpasta und wird beim sorgfältigen Zähneputzen eigentlich schon in signifikanter Menge zugeführt. Fluorid schützt vor allem den Zahnschmelz, indem es nicht nur die Remineralisierung von Kalzium vorantreibt, sondern auch selbst mit eingebaut wird und dadurch Säuren und Bakterien eine deutlich geringere Angriffsfläche geboten wird. Die Fluoridmenge in Kaugummis ist aber relativ gering weswegen der positive Effekt kaum ins Gewicht fällt.

Kalzium ist einer der wichtigsten Mineralstoffe von Knochen und Zähnen und sorgt für Stabilität und Härte. Auch der Zahnschmelz braucht Kalzium um in Topform zu bleiben. Es gibt Kaugummis, die Kalzium in Verbindung mit Kasein enthalten. Hierdurch wird eine hohe Bioverfügbarkeit erreicht welche die Aufnahme beschleunigt und zu einer spürbaren Kariesprävention beiträgt. Vor allem wenn zeitgleich die Versorgung mit Fluorid stimmt.

Xylit (oder auch Xylitol) ist ein Zuckeralkohol der bei kariogenen Bakterien für echte Katerstimmung sorgt. Diese können Xylit nicht richtig verstoffwechseln und sterben folgend an Mangelernährung. Auch hemmt Xylit einige enzymatische Reaktionen und bremst dadurch das Nachwachsen neuer Bakteriengenerationen. Die Population wird dadurch nachweislich gering gehalten.

 

Auf was muss bezüglich der Süßungsmittel geachtet werden?
Xylit dient als Süßungsmittel für Kaugummis ist aber in Deutschland nicht sehr weit verbreitet. Bei uns wird stattdessen der Zuckeraustauschstoff Sorbit eingesetzt, welcher sich interessanterweise negativ auf harmlose Mundbakterien auswirkt. Stattdessen kann Sorbit von kariogenen Bakterien zu Alkohol verstoffwechselt werden, was Karies fördert.

Zuckeralkohole stehen auch mit einigen laxativen Verdauungsproblemen in Verbindung, da sie in größeren Mengen abführend wirken. Sorbit kann ähnlich wie Fructose oder Laktose für einige Menschen problematisch sein und Intoleranzen auslösen. Insgesamt stellt Xylit(ol) daher wohl den besseren Süßstoff dar.

 

Wie nützlich sind Mikrogranulate?

Mikrogranulate sollen, ähnlich wie bei einem Peeling, die Plaque gründlich entfernen. Einige Personen sorgen sich, dass die Granulate für einen erhöhten Zahnabrieb sorgen könnten wobei die meisten Studien und Arztmeinungen schlüssig belegen, dass Mikrogranulate in Wahrheit so gut wie gar keinen positiven oder negativen Einfluss auf die Reinigungswirkung haben und eher Marketingzwecken dienen.

 

Fazit

Zahnpflegekaugummis sind als Pflegeergänzung und Notfalllösung (z.B. gegen Mundgeruch) in Ordnung, sollten aber auf keinen Fall mit einer gründlichen Zahnreinigung gleichgestellt werden oder sie gar ersetzen. Hierfür bieten Zahnpflegekaugummis einfach nicht die notwendige und gründliche Reinigungswirkung. Auch sollten sie in Maßen genossen werden um Verdauungsproblemen vorzubeugen.

 

Ihr Joe Schankin

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