Ihr Zahnarzt in Sülz | Wie schädlich ist Daumenlutschen?

Ihr Zahnarzt in Sülz | Wie schädlich ist Daumenlutschen?
Veröffentlicht von Joe

Säuglinge – so lässt der Name bereits erahnen – sind natürliche Experten, wenn es um die Gewinnung von Muttermilch und das Daumenlutschen geht.

Der instinktive Saugreflex ermöglicht jedem Neugeborenen eine unkomplizierte und schnelle Nahrungsaufnahme, wenn er in Reichweite der mütterlichen Brust gelangt. Zusätzlich beruhigt das Daumenlutschen und Saugen den kleinen Menschen, was den Stress oder Angstgefühle reduziert und den Körper entspannt. Dieser Prozess setzt sich bis in die orale Phase von Kleinkindern fort, wo der Mund das für sie prominenteste Sinnesorgan darstellt. Alles wird zunächst einmal in den Mund gesteckt und es obliegt den Eltern dafür zu sorgen, dass es sich um unschädliche Dinge handelt. In dieser Zeit ist der Einsatz von Schnullern weit verbreitet, aber häufig zweckentfremden Kinder auch ihre Daumen als Alternative.

Zwischen Erziehern, Eltern, Zahnärzten und Kieferorthopäden gibt es diesbezüglich schon seit Jahrzehnten ausreichend Gesprächsstoff: Wie viel Nuckeln ist normal? Wie wirkt sich das Saugen auf die Zähne aus? Wann sollte man intervenieren? An dieser Stelle nun ein Versuch der Entmystifizierung.

 

Welche Auswirkungen hat das Dauernuckeln?

Das Saugen an der Mutterbrust ist im Vergleich zum Schnuller oder Daumenlutschen ein zeitlich begrenztes Ereignis und die Brustwarze ein relativ weiches Objekt. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Festigkeit eines Objektes den größten Einfluss auf den Mundraum und den Gaumen hat. Je weicher ein Objekt erscheint, desto weniger Widerstand wirkt auf Zähne und Kiefer ein, um eine natürliche Saugbewegung zu ermöglichen. Stört ein festes, größeres Objekt (z.B. ein Daumen) diese Bewegung, kommt es mittel- bis langfristig zu Verschiebungen und Verformungen, da sich die weiche Kieferknochenstruktur dem Usus des Kindes anpasst. Die Zähne wandern kontinuierlich nach vorne, bis hin zu den charakteristischen Hasenzähnen mit Überbiss.

 

Schnuller sind dem Daumen zu bevorzugen

Aus den genannten Gründen stellen Schnuller insgesamt die bessere Alternative dar. Ihr weiches Material sorgt dafür, dass der Kiefer eine weniger ungünstige Position beim Saugen einnehmen muss. Im Laufe der Jahre sind viele Schnuller auf dem Markt erschienen, die modernen zahntechnischen Ansprüchen gerechter werden. Eltern sollten hier auf die Qualität und auf eine optimale Passform achten. Langfristig sollte aber auch  der Schnuller abgewöhnt werden, spätestens wenn die Milchzähne in größerer Zahl unterwegs sind und statt dem Saug- der Kaureflex einsetzt.

 

Die Milchzähne ebnen den Weg der bleibenden Zähne

Die Wichtigkeit des Zustands der kindlichen Milchzähne wird von sehr vielen Eltern dramatisch unterschätzt. Da sie früh ausfallen, scheinen sie für die spätere Entwicklung abdingbar, aber neben Karies können auch Nuckeln und Lutschen langfristige Folgen haben. Werden die Milchzähne wortwörtlich in Schieflage gebracht, wirkt sich dies auch auf die Position der nachfolgenden Zähne aus. Sie werden dann ebenfalls ungerade oder schief aus dem Kiefer hervortreten. Das Resultat begleitet das Kind dann meistens durch die gesamte Jugend und muss langwierig vom Kieferorthopäden korrigiert werden. Durch Zahnfehlstellungen können nämlich noch viele weitere Beschwerden auftreten, die zunächst gar nicht auf das frühkindliche Daumenlutschen zurückführbar sind (Kieferschmerzen, Kopfschmerzen, Nackenprobleme etc.).

 

Ab wann wird Nuckeln zum Problem und wie gewöhne ich es meinem Kind ab?

Wenn die Eltern eine Intervention scheuen, manifestiert sich das Lutschen oft als dauerhafte Nebenbeschäftigung. Dem Kind fehlt es schließlich an Erfahrung bezüglich der Konsequenzen und das Nuckeln wird ja durchaus als angenehm empfunden. Wenn aber das Nuckeln oder Lutschen die Einschulung miterlebt, sollten auf jeden Fall die Alarmglocken läuten.

Als Faustregel ist davon auszugehen, dass das Kind mit dem Erscheinen der Milchzähne eine neue Entwicklungsstufe erreicht, in welcher (wie beschrieben) das Kauen das Saugen ablöst. Deshalb ist es wichtig, das der Schnuller ab spätestens 2,5 Jahren absolut Tabu ist, da es sonst zu irreversiblen Fehlstellungen kommt.

Passende Abgewöhnungsmethoden sind so individuell wie das jeweilige Kind und benötigen viel Einfühlungsvermögen. Der Daumen oder der Schnuller sind wirklich wichtige und geliebte Objekte im Leben des Kindes und sollten auf gar keinen Fall rabiat entzogen werden. Das kann durchaus traumatische Auswirkungen für das Kind haben, genau wie die pädagogisch längst überholten Horrorgeschichten vom Daumenlutscherbub (Struwwelpeter). Stattdessen sollten Eltern versuchen, das Kind vom Lutschen abzulenken und es belohnen, wenn es die Angewohnheit nach und nach freiwillig aufgibt. Dient das Lutschen dem Einschlafprozess, so kann es vielleicht mit einer Gutenachtgeschichte überflüssig gemacht werden, oder durch leise Musik oder ein Hörspiel. Bei hartnäckigen Lutschern lohnt sich im Zweifel auch ein Besuch beim Pädagogen oder Kinderpsychologen, um vielleicht tiefer sitzenden Nöten auf die Schliche zu kommen.

Wir beraten Sie ebenfalls gerne zum Thema Daumenlutschen und Schnuller und erarbeiten mit Ihnen ein Konzept, um Ihrem Kind einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen.

 

Ihr Joe Schankin

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