Zahnprobleme bei Senioren – Worauf Sie sich im Alter einstellen müssen und wie Sie entgegenwirken können

Zahnpflege bei Senioren
Veröffentlicht von WP-Administrator

Der wohlbekannte Zahn der Zeit, der über lange Zeiträume auch die schönsten Strukturen erodiert, ist eine Floskel, deren Wahrheitsgehalt sich immer wieder bestätigt. Je älter ein Mensch wird, desto umfangreicher werden die notwendigen Pflege- und Vorsorgemaßnahmen, um die Lebensqualität auf einem hohen Niveau sicherzustellen. Die Zahnheilkunde befasst sich in diesem Kontext mit der Instandhaltung des Zahn- und Kauapparates von Senioren.

 

Die Zähne im Lauf der Jahre

Verglichen mit den restlichen Strukturen des Körpers stellen Zähne eine besondere Ausnahme dar. Sie zählen zu den wenigen Objekten, bei denen keine Regeneration möglich ist, wenn sie durch einen Unfall oder mangelnde Pflege beschädigt wurden. Einmal zerstört, gelten Zähne als unwiederbringlich verloren und müssen zum Erhalt der Lebensqualität künstlich ersetzt werden.

Je älter ein Mensch wird, desto größer fällt die erosive Kraft aus, die auf die Zähne bereits eingewirkt hat. Karies, Parodontose, schlechte Ernährung, Rauchen oder Zähneknirschen setzen den Zähnen ordentlich zu – manchmal in schleichenden Prozessen, die sich Jahrzehnte hinziehen können. Was in jungen Jahren an Pflege fehlte, kann in späteren Dekaden kaum mehr kompensiert oder nachgeholt werden. Daher ist eine lebenslange „Inspektion“ durch den Zahnarzt mehr als sinnvoll.

Wir Menschen gehören zu den Säugetieren, die bloß ein einziges Mal die Chance auf ein neues Gebiss haben. Mit dem Eintritt ins Grundschulalter, also bereits sehr früh, werden die Milchzähne durch die bleibenden Zähne ersetzt. Und diese zeichnen, fast wie die Ringe eines Baumstamms, ein Bild unseres Lebensstils. Wenn hierbei etwas schief läuft, kann es zu einer Abwärtsspirale kommen, die das Leben, gesundheitlich wie seelisch, immer weiter einschränkt.

Doch auch gut gepflegte, gerade Zähne und gesundes Zahnfleisch verändern ihre Bedürfnisse über die Jahre, da die restlichen Stoffwechselprozesse im Körper natürliche Wechselwirkungen erzeugen. Ein 60-Jähriger muss sich daher mit anderen Herausforderungen auseinandersetzen, als ein 20-Jähriger – was nicht heißt, dass nicht beide ein tolles Gebiss besitzen können.

 

Der Zahnverlust im Alter wurde lange als normal betrachtet

Der Zahnverlust gilt als typisches Merkmal hohen Alters und über längere Zeiträume schien dies auch völlig normal zu sein. Alte Menschen haben eben keine Zähne mehr und kriegen ein Gebiss. Für viele ergeben sich dadurch (subjektiv gesehen) sogar optische Vorteile, denn ein vollständiges Gebiss kann vergleichsweise gefällig geformt werden, im Vergleich zu den Zähnen, die einem die Natur beigelegt hat. Man darf nicht vergessen, dass während oder kurz nach dem Krieg kieferorthopädische Behandlungen eine Seltenheit darstellen und unsere Eltern und Großeltern mit schiefen Zähnen irgendwie leben mussten. Auch war die allgemeine medizinische Aufklärung noch nicht so umfassend wie heute.

In der Zahnmedizin versucht man jedoch heute, die natürlichen Zähne so lange wie möglich zu erhalten, da ein Gebiss grundsätzlich nur eine Notlösung darstellt. Ein künstliches Gebiss ist nämlich nicht weniger pflegebedürftig als die natürlichen Zähne und auf den Kiefer sowie den Kauapparat hat es ebenfalls nachteilige Auswirkungen. Implantate sind in Summe oft unerschwinglich und es stellt sich in der Tat die Frage nach einer sinnvollen Kosten-/Nutzen-Kalkulation.

 

Welche Probleme ergeben sich insbesondere bei Senioren?

  • Motorische Einschränkungen
    Menschen höheren Alters verlieren oft die Fähigkeit, pflegende Routinen in notwendigem Ausmaß selbst durchzuführen. Die Körperkraft lässt nach, die Knochen werden brüchiger und Gelenke befinden sich unter Umständen in einem fortgeschrittenen Stadium des Verschleißes. Alltägliches, wie das Zähneputzen, wird zunehmend zu einer Herausforderung. Betroffene schaffen es nicht mehr, gründlich genug gegen Beläge, Karies oder Zahnfleischentzündungen vorzugehen.
  • Ungesunde Angewohnheiten und mangelndes Bewusstsein
    Neben einer tatsächlichen körperlichen Einschränkung kann aber auch das Bewusstsein des Patienten gegenüber seiner eigenen Verantwortung fehlen. So wird auf die eigene Gesundheit z.T. wenig Rücksicht genommen, indem man schlechte Angewohnheiten mehr kultiviert, als ablegt. Schlechtes Essen, Alkohol, Rauchen, sowie Resignation und Desinteresse können fatale Auswirkungen bereits ab einem mittleren Alter haben.
  • Angst vor dem Zahnarzt oder den Kosten
    Teilweise haben ältere Patienten sogar Angst vor einer Zahnbehandlung, weil sie aus der Jugend noch rabiatere Maßnahmen in Erinnerung haben, oder sie schämen sich Aufgrund ihres schlechten Zahnzustands einen Arzt aufzusuchen. Ein ebenfalls nicht unerheblicher Faktor kann hier auch die Angst vor erheblichen Zusatzkosten sein, die viele mit einer spärlichen Rente vielleicht nicht aufbringen können. So können finanzielle Missstände im Alter auch die Lebensqualität und sogar die Lebenserwartung senken.
  • Körperliche Veränderungen
    Der Körper funktioniert im Alter anders und kann bestimmte Prozesse nicht mehr in notwendiger Geschwindigkeit gewährleisten. Eine eingeschränkte Speichelproduktion führt z.B. zu einer Unterversorgung der Zähne mit Mineralien, während Bakterien und Verunreinigungen nicht mehr abtransportiert werden können. Die Zähne verlieren dadurch ihren natürlichsten Schutz vor Karies, Zahnstein oder Zahnfleischentzündungen. Gleichzeitig können sich komplexere Probleme wie Wurzelkaries ausbreiten, welches eine intensive Behandlung erfordert und oft gar nicht mehr konservativ zu kontrollieren ist.
  • Wechselwirkungen mit anderen Krankheiten
    Vorerkrankungen an anderer Stelle können sich natürlich auch auf die Zähne auswirken – oder umgekehrt. Ein schlechter Zahnzustand kann zu signifikanten Herz-Kreislauf-Problemen und Entzündungsprozessen im Körper führen, die wiederum Herzinfarkte & Co. begünstigen.

 

Mit welchen Folgen müssen Senioren rechnen?

Der Zahnverlust ist, wie eingangs erwähnt, die unmittelbarste Folge einer mangelhaften Mundhygiene. Aber auch übergreifende Krankheitsbilder können durch Probleme im Mund entstehen.

Besteht bereits ein ausgeprägter Zahnschwund, verlieren Betroffene die Fähigkeit, ausgewogene und gesunde Nahrung in ausreichender Menge und Qualität zu sich zu nehmen. Oft wird auf Brei, Suppe oder Süßes ausgewichen, die aber keine dauerhafte Versorgung mit vollwertigen Nährstoffen sicherstellen – zumal auch der Genuss festerer Nahrung fehlt. Kauintensive Nahrung wie Fleisch, knackiges Obst und Gemüse stehen dann kaum noch auf dem Speiseplan. Kommen Süßspeisen wie Kuchen, Waffeln, Pudding etc. hinzu, wird der Verfall durch den Zucker oft nur beschleunigt. Mangel- oder Fehlernährungen sind die Folge, was weitreichende Auswirkungen auf andere Gebrechen haben kann.

Auch können sich durch schlechte oder fehlende Zähne sprachliche Probleme ergeben, wenn bestimmte Wörter nicht mehr sauber artikulierbar sind. Nicht selten folgt daraufhin eine große Scham in der Familie oder Öffentlichkeit, die sich auf die Psyche des Patienten auswirken kann. Rückzug, Vermeidung und sogar Depressionen drohen, was dem Leben viel Freude raubt.

 

Welche Möglichkeiten bieten sich für Senioren an?

Eine Sonderbehandlung im eigentlichen Sinne gibt es für Senioren nicht, aber ein höherer Handlungsbedarf muss durch eine intensivere Zusammenarbeit ausgeglichen werden.

Höchste Priorität hat dabei die Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung einer vollständigen Kaufunktion, sodass der Konsum sämtlicher Nahrungsmittel möglich ist. Daher ist zu prüfen, welche Maßnahmen dafür notwendig sind.

An zweiter Stelle steht die Gesundheit der individuellen Zähne. Diese sollten natürlich frei von kariösen Prozessen, Entzündungen oder Infektionen sein. Je besser der Zahn im Kiefer und Zahnfleisch verankert ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, den Zahn zu verlieren. Hierfür bieten sich professionelle Zahnreinigungen an, bei denen die Zähne nicht nur sehr gründlich geputzt werden, sondern auch konservative Maßnahmen wie Versiegelungen eingesetzt werden.

Zuletzt müssen Wechselwirkungen mit dem restlichen Körper beobachtet und festgehalten werden. Die Patienten- sowie Krankheitsgeschichte spielt bei der allgemeinen Behandlung eine wichtige Rolle. Durch die Verbesserung im Zahnapparat können sich mitunter auch Verbesserungen der allgemeinen Gesundheit ergeben, was einen deutlichen Zuwachs an Lebensqualität und Zufriedenheit bedeutet.
Sie haben Fragen zur Vorbeugung von Problemen oder zur Behandlung im Seniorenalter? Sprechen Sie uns jederzeit gerne an. Gemeinsam finden wir einen optimalen Weg für eine gemeinsame Kooperation, damit sie Ihren Ruhestand vollends genießen und auskosten können.

 

 

Sollten Sie noch Fragen zu dem Thema haben, kontaktieren Sie uns! Wir beraten Sie dahin gehend gerne.

Ihr Joe Schankin.

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